Zinsen im Sinkflug: So hat sich der Rechnungszins in 2019 entwickelt

Von Mercer-Experte René Gunst

Seit Jahresanfang ist der Rechnungszins erneut im Sinkflug. Acht Monate des Jahres sind vorüber, in sechs Monaten ist der Rechnungszins teilweise deutlich gesunken. Während im Jahr 2018 ein zwar niedriges, aber relativ stabiles Zinsniveau zu beobachten war, ist der Rechnungszins in diesem Jahr bereits stark gesunken. Dramatisch ist das Ausmaß der Entwicklung: Der Rechnungszins für IAS 19 nach der Mercer Yield Curve ist seit Jahresbeginn für alle Durationen um rund 0,9 Prozentpunkte gefallen. Für eine Duration von 15 Jahren beträgt er nur noch 1,10 Prozent. Für kürzere Laufzeiten, die beispielsweise bei Altersteilzeitverpflichtungen zum Einsatz kommen können, liegt er nur noch knapp im positiven Bereich. Im Laufe des Jahres wurde die Linie von 0 Prozent sogar unterschritten.

Bereits als die Entwicklung weniger drastisch war, wurde die Frage diskutiert, ob sich der Rechnungszins nach IAS 19 auch negativ entwickeln kann. Ja, dies ist möglich! Der Standard IAS 19 ist in diesem Punkt eindeutig. Der Rechnungszins orientiert sich an hochwertigen Unternehmensanleihen, eine Begrenzung auf 0 Prozent ist nicht vorgesehen.

Wie sich die Zinssatzsenkungen letztendlich auf die Rückstellungen der Unternehmen auswirken, hängt sehr stark von deren Bestandsstrukturen ab. Es ist damit zu rechnen, dass die Pensionsrückstellungen um 15 bis 30 Prozent ansteigen. Für Abfertigungs- und Jubiläumsgeldrückstellungen ist ebenfalls mit einem Anstieg im zweistelligen Prozentbereich zu rechnen. Diese Änderung wird für Pensions- und Abfertigungsrückstellungen nach IAS 19 erfolgsneutral erfasst. Für Jubiläumsgeldverpflichtungen ist die Zuführung jedoch erfolgswirksam zu buchen.

Auch für den UGB-Rechnungszins hat die Entwicklung des allgemeinen Zinsniveaus Auswirkungen, wenngleich sie bei einer Durchschnittsbildung – je nach Länge des Durchschnittszeitraums – deutlich geringer ausfallen. Was beim UGB-Abschluss jedoch besonders schmerzt: Die Auswirkungen der Rechnungszins­änderung sind auch für Pensions- und Abfertigungsverpflichtungen erfolgswirksam zu erfassen und belasten somit das Jahresergebnis.

Da der Rechnungszinssatz nach IAS 19 üblicherweise bereits einige Zeit vor dem Bewertungsstichtag festgelegt wird, ist die Wahrscheinlichkeit für eine Abweichung zum Bilanzstichtag sehr groß. Daher kann es sein, dass nach dem Bilanzstichtag eine Umbewertung auf Basis der Sensitivitäten oder eine Neuberechnung erforderlich ist.

 

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