Mercer | Schwierige Jobsituation für arbeitssuchende Menschen ab 50

Mercer | Schwierige Jobsituation für arbeitssuchende Menschen ab 50

Schwierige Jobsituation für arbeitssuchende Menschen ab 50

  • 25. September 2017
  • Austria, Wien
  • 42 Prozent der Unternehmen haben spezielle Altersanforderungen bei der Besetzung vakanter Stellen
  • 34 Prozent stellen bevorzugt jüngere Arbeitskräfte bis 45 Jahre ein
  • Fachtagung „Demografischer Wandel – Eine Arbeitswelt auch für Menschen ab 50“ bot erstmals thematischen Austausch zwischen  Experten aus der Wirtschaft und Vertretern der Sozialpartner

In 58 Prozent der Unternehmen gibt es keine ausgewogene Altersstruktur. 34 Prozent stellen bevorzugt jüngere Arbeitskräfte bis 45 Jahre ein und 5 Prozent stellen generell keine älteren Arbeitnehmer ab 45 Jahren ein. Letztere werden nur von 3 Prozent der befragten Organisationen bei der Besetzung vakanter Stellen bevorzugt berücksichtigt. Dies zeigt der Mercer-Spot-Survey, an dem 60 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen von Mitte Juli bis Ende August 2017 teilgenommen haben.

Der Survey entstand als Vorbereitung auf die Fachtagung „Demografischer Wandel – Eine Arbeitswelt auch für Menschen ab 50“, die am 21. September 2017 in der TU Wien stattgefunden hat und vom österreichischen NGO „Bündnis Arbeit für Best Ager“ (BABA)  zusammen mit Mercer, vertreten durch die Corporate Social Responsibility (CSR) Gruppe MercerCares, veranstaltet wurde.

Bestandsaufnahme der Situation und Austausch zu zukunftsorientierten Ideen

„61 Prozent der befragten Unternehmen in Österreich geben an, schon relativ gut auf den demografischen Wandel vorbereitet zu sein“, sagte Josef Papousek, CEO der Mercer (Austria) GmbH, in seinem Auftaktvortrag der Tagung. Die Umfrage zeige allerdings auch, dass 42 Prozent der Unternehmen spezielle Altersanforderungen bei der Besetzung vakanter Stellen haben – und nicht unbedingt zu Gunsten älterer Arbeitnehmer. Dabei brächte die Generation 50plus, die ab dem Jahr 2020 erstmals den größten Anteil an Erwerbstätigen ausmachen wird, ein enormes Potenzial mit. „Nie war eine Generation 50plus so aktiv wie heute. Diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fühlen sich jünger und vitaler, sind an „neuer“ Arbeit interessiert und auch im Job bereit, sich weiter zu entwickeln“, so Papousek.  

Dr. Kurt Pongruber, Gründer und Obmann des BABA, betonte, dass „qualifizierte Langzeitarbeitslose von der Politik und Arbeitsmarktverwaltung geradezu sträflich vernachlässigt werden.“ Ein Pilotprojekt mit dem Land Salzburg, der Wirtschaftskammer, dem Arbeitsmarktservice (AMS) und dem Salzburger Gemeindebund soll helfen, „eine für ganz Österreich sinnvolle Lösungsmöglichkeit zur Bekämpfung der Altersarbeitslosigkeit zu finden. Auf freiwilliger Basis stellt das BABA die menschlichen und fachlichen Fähigkeiten älterer Langzeitarbeitslosen fest, um dann für diese Zielgruppe Jobs mit Perspektive zu schaffen.“

In der Podiumsdiskussion betonte BABA-Vorstand Ulrike Gadenstätter: „Es muss ein Umdenken stattfinden – von ‚Was kostet mich ein älterer Arbeitnehmer?‘ hin zu ‚Welchen Nutzen bringt mir ein älterer Arbeitnehmer?‘“

Dr. Ernst Haider, stellvertretender Leiter des AMS Österreich, ging auf die Bedeutung der Integration älterer Arbeitnehmer ein: „Wenngleich ältere Beschäftigte in geringerem Maß von Arbeitslosigkeit betroffen werden, so bewirken die geringeren Reintegrationschancen eine höhere Arbeitslosenquote als bei Jüngeren. Die Herausforderung für das AMS ist es, einerseits Kündigungen von älteren Beschäftigten durch Qualifizierung und Altersteilzeit vorzubeugen und andererseits Arbeitslose durch Lohnkostenzuschüsse an Dienstgeber wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.“

Das Fazit von Papousek nach der Veranstaltung lautete: „Zwischen den österreichischen Sozialpartnern gibt es hinsichtlich der Jobinitiative 50+ noch viele Missverständnisse, gegenseitige Vorbehalte und unbegründete Zuschreibungen. Um älteren Arbeitnehmern durchschlagende neue Berufschancen zu sichern und den Unternehmen für die kommenden Jahre ausreichend motivierte, einsatzbereite und fachlich versierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sichern, müssen weitere Koordinierungstreffen stattfinden, um die gegenseitigen Reibungsflächen abzubauen.“

Weitere Stimmen von der Veranstaltung und Informationen zu vorgestellten Maßnahmen und Ideen für die Zukunft:

Mag. Oliver Picek, PhD, Fachreferent für Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik im BMASK, berichtete von der „Aktion 20.000“, bei der im öffentlichen Bereich Arbeitsplätze für Arbeitssuchende über 50 geschaffen werden. Dies sei eine „innovative arbeitsmarktpolitische Lösung“, die „essentiell für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“ sei.

„Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen zeigen, dass wir unsere Förderungen für langzeitarbeitslose Ältere gezielt fortsetzen müssen. Mit der Aktion 20.000 schaffen wir 20.000 zusätzliche Arbeitsplätze. Anstatt einfach nur Arbeitslosengeld zu überweisen, investieren wir in gesellschaftlichen Nutzen und geben den betroffenen Menschen wieder eine Perspektive in ihrem Leben. So geht Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik“, meint Arbeitsmarktexperte Mag. Sven Hergovich.

Dr. Peter Hoffmann, Experte für Arbeitsmarktpolitik bei der Arbeiterkammer Wien, erläuterte, dass das Instrument der psychologischen Evaluierung am Arbeitsplatz viel zu wenig eingesetzt werde: „Schlechte Arbeitsorganisation ist einer der Faktoren, die zum Pensionierungswunsch führen.“  

Mag. Maria Kaun aus der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit bei der Wirtschaftskammer Österreich, ging auf die spezielle Problematik kleinerer Unternehmen ein: „Für größere Unternehmen ist alternsgerechtes Arbeiten meist leichter zu bewerkstelligen als für KMU, denen oft die Ressourcen dafür fehlen“. Die Sozialpartner haben deshalb ein in Europa einzigartiges Online-Produkt entwickelt: Auf www.arbeitundalter.at können Unternehmen aller Größen Informationen dazu abrufen, wie Arbeit altersgerecht gestaltet werden kann.

Eine Meta-Analyse rezenter Studien zur Arbeitsmarktpolitik, die vom Österreichischen Institut für Berufsbildungsforschung (öibf) bei der Tagung präsentiert wurde, zeigt, dass neben sozial- und pensionsrechtlichen Anpassungen auch ein Imagewandel stattfinden muss: „Ältere ArbeitnehmerInnen sind eine wichtige Herausforderung und Zielgruppe aktiver Arbeitsmarktpolitik. Dabei stehen sie auf der einen Seite sozial- und pensionsrechtlichen Adaptierungen, mit dem Ziel, die Erwerbsbeteiligung dieser Zielgruppe zu erhöhen, gegenüber. Auf der anderen Seite unterliegen sie als heterogene Gruppe einer Reihe von Zuschreibungen, die die Integration in den Arbeitsmarkt deutlich erschweren“, so Veronika Litschel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am öibf.

Michael Merzbach, Head of Global Human Resources bei der RHI AG, die sich der Altersthematik bereits seit mehreren Jahren annimmt, erklärte, dass Geld für ältere Arbeitnehmer nicht immer das Wichtigste sei: „Finanzielle Einbußen durch Altersteilzeit sind bei Weitem nicht so ein großes Thema. Die Mitarbeiter haben sich das genau überlegt und ihnen ist Freizeit ein bisschen Geld wert.“

Aus ihrer Erfahrung beim Netzwerk Ajour berichtete Mag. Lydia Ninz: „Wir können es uns nicht leisten, auf dem Weg zur Digitalisierung eine ganze Generation links liegen zu lassen. Was uns weiterbringt, ist das Miteinander von Jung und Alt, von bewährten Weisheiten und neuen Tugenden.“

Über das Bündnis Arbeit für Best Ager (BABA)

Das Bündnis Arbeit für Best Ager setzt sich dafür ein, ältere Arbeitnehmer wieder attraktiv für den Arbeitsmarkt zu präsentieren. Entgegen den aktuellen Vorurteilen sieht das BABA reifere Menschen „in den besten Jahren“ als wertvolle, sogar tragende Elemente für jedes erfolgreiche Unternehmen. Generationenübergreifende Teams sind der Erfolgsfaktor, der die Herausforderungen der neuen Arbeitswelt bewältigen hilft.

Über MercerCares

MercerCares ist ein globales Programm von Mercer, das die ehrenamtliche Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gemeinden, in denen sie leben und arbeiten, unterstützt. Im Rahmen des Programms werden u. a. Projekte in Bezug auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung umgesetzt.

Über Mercer (www.mercer.com)

Als global führendes Beratungsunternehmen in den Bereichen Talent, Health, Retirement und Investments hilft Mercer Unternehmen weltweit dabei, die Gesundheit, den Wohlstand und die Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter zu steigern. Mit mehr als 20.000 Mitarbeitern in 43 Ländern ist Mercer in über 140 Ländern tätig. Mercer ist ein Tochterunternehmen der Marsh & McLennan Companies (NYSE: MMC), einem globalen Anbieter von professionellen Dienstleistungen in den Bereichen Risiko, Strategie und HR. Mit einem Jahresumsatz von 13 Mrd. USD und 60.000 Mitarbeitern weltweit ist Marsh & McLennan Companies auch die Muttergesellschaft von Marsh (Versicherungsmaklerleistungen und Risikomanagement), Guy Carpenter (Vermittlungsservices für Risiko- und Rückversicherungen) und Oliver Wyman (Managementberatung).

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