Gehaltszuwachs in Österreich liegt 2020 bei 2,8 Prozent – Langjährige Wachstumsrate in China viermal so hoch

Gehaltszuwachs in Österreich liegt 2020 bei 2,8 Prozent – Langjährige Wachstumsrate in China viermal so hoch

Gehaltszuwachs in Österreich liegt 2020 bei 2,8 Prozent – Langjährige reale Wachstumsrate in China sechsmal so hoch

  • 28. November 2019
  • Österreich, Wien
  • Weltweit steigen die Löhne und Gehälter um 5,3 Prozent
  • Prognosen für 2020 überwiegend stabil auf Niveau von 2019
  • Österreich bleibt im Zeitraum von 2012 bis 2019 mit 20 Prozent deutlich hinter der nominalen Wachstumsrate von China (73 Prozent) zurück

In 2020 liegt der nominale Gehaltszuwachs in Österreich bei 2,8 Prozent, das inflationsbereinigte Plus beläuft sich auf 0,9 Prozent. Die Inflationsrate fällt in 2020 mit 1,9 Prozent etwas höher aus als in 2019 mit 1,5 Prozent. Die höchsten nominalen Steigerungsraten in 2020 verzeichnen mit 3,0 Prozent die Energiewirtschaft, gefolgt von den Branchen High-Tech, Life Sciences und der Konsumgüterbranche mit jeweils 2,8 Prozent. Dies sind die Ergebnisse der weltweiten Vergütungsstudien, für die Mercer branchenübergreifend die Entwicklung der Löhne und Gehälter untersucht. Basis der Studie ist die globale Vergütungsdatenbank von Mercer, die Daten von 15 Millionen Stelleninhabern aus mehr als 25.000 Organisationen umfasst.

„Insgesamt wird die österreichische Wirtschaft durch den mäßigen globalen Aufschwung und internationale Handelskonflikte gedämpft“, erklärt Thomas Gruhle, Vergütungsexperte bei Mercer. „Dies bedeutet, dass die Unternehmen auch bei den Personalausgaben vorsichtiger sind, was sich in den stabilen Gehaltssteigerungen von 2,8 Prozent zeigt“, so Gruhle weiter.

Die Gehaltsentwicklungen für unterschiedliche Mitarbeitergruppen bleiben in österreichischen Unternehmen auch in 2020 stabil. Für Executives und Fachkräfte liegt die Steigerung bei 2,8 Prozent, bei Managern hingegen nur bei 2,7 Prozent. 88 Prozent der Unternehmen planen Gehaltserhöhungen anhand der individuellen Leistung ihrer Mitarbeiter, die Performance der Organisation spielt zu 52 Prozent eine Rolle. Die Dauer der Unternehmenszugehörigkeit hat lediglich zu 18 Prozent Einfluss auf die Gehaltsentwicklung der Mitarbeiter.

Im Zeitraum von 2012 bis 2019 liegt der durchschnittliche nominale Gehaltszuwachs in Österreich bei 20 Prozent, der reale Gehaltszuwachs bei lediglich 7,0 Prozent. Damit bleibt Österreich hinter den Wachstumsraten von Ländern wie China deutlich zurück. In China ist in diesem Zeitraum eine durchschnittliche nominale Gehaltssteigerung von 73 Prozent und ein reales Wachstum von 45 Prozent zu verzeichnen. Auch Deutschland und die USA liegen mit einem nominalen Gehaltswachstum von durchschnittlich 24 Prozent und 26 Prozent leicht vor Österreich, das reale Gehaltswachstum beläuft sich in beiden Ländern auf 11 Prozent.

„Globale Trends wie die ‚Gig Economy‘, die digitale Transformation, Entgelttransparenz und Lohngerechtigkeit gehören auch für österreichische Unternehmen zu den größten Herausforderungen“, erklärt Gruhle. „In den Bereichen Engineering & Science, Finance, Sales & Marketing sowie im Technologiesektor sind Mitarbeiter besonders schwierig zu rekrutieren und an die Organisation zu binden. Entscheidend für die Unternehmen ist es daher, die Vergütungsstruktur so anzupassen, dass sie wettbewerbsfähig ist und sowohl den Mitarbeitern als auch den Unternehmen eine entsprechende Flexibilität bietet“, so Gruhle weiter. Zudem muss man laut Gruhle beachten, dass es trotz einer durchschnittlich geplanten Erhöhung von 2,8 Prozent durchaus Mitarbeitergruppen gibt, in denen aufgrund der geringen Verfügbarkeit von Spezialisten deutlich höhere Gehaltssteigerungen festzustellen sind.  

Durchschnittlicher realer Gehaltszuwachs in Osteuropa mit 1,2 Prozent etwas höher als in Westeuropa

In Osteuropa werden für Russland in 2020 Gehaltssteigerungen von 7,0 Prozent prognostiziert, das inflationsbereinigte Plus bei Löhnen und Gehältern beläuft sich auf 3,5 Prozent. In Polen gibt es in 2020 keine Gehaltszuwächse, da sowohl die nominale Steigerungsrate als auch die Inflationsrate bei 3,5 Prozent liegen. In der Türkei bleibt den Menschen aufgrund der hohen Inflationsrate von 12,6 Prozent nur 3,4 Prozent mehr Gehalt im Portemonnaie.

Im Vergleich mit den osteuropäischen Ländern sind die Inflationsraten in Westeuropa deutlich niedriger. Die Steigerungsraten beim realen Gehaltszuwachs fallen moderat aus: Italien verzeichnet 1,5 Prozent, Spanien und die Schweiz 1,4 Prozent, Deutschland 1,3 Prozent. Mitarbeiter in Frankreich erhalten real 1,2 Prozent mehr Gehalt. In Großbritannien und den Niederlanden sind es 1,1 Prozent und in Österreich 0,9 Prozent.

Gehaltsentwicklungen im internationalen Vergleich

In Asien ist eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,5 Prozent zu verzeichnen sowie eine reale Zuwachsrate bei Löhnen und Gehältern von 2,6 Prozent. In Nord- und Südamerika bleibt der reale Gehaltszuwachs mit durchschnittlich 0,9 Prozent weit hinter dem Wert für Asien zurück, die Inflationsrate liegt mit 5,0 Prozent höher als in Asien.

In der Region Naher Osten und Afrika ist für 2020 bei den realen Gehaltsentwicklungen ein Minuswachstum von 1,0 Prozent zu verzeichnen. Der Grund hierfür: In einigen Ländern dieser Region1 ist die Inflationsrate in den vergangenen drei Jahren höher als die nominalen Gehaltssteigerungen. 

„Durch Faktoren wie den Handelsstreit zwischen USA und China sowie die unklare Situation in Großbritannien wird die internationale wirtschaftliche Entwicklung negativ beeinflusst“, kommentiert Gruhle. „Auch das Wirtschaftswachstum in China hat sich in 2019 deutlich abgeschwächt. Weitere globale Unsicherheitsfaktoren sind der Nahost-Konflikt, volatile Ölpreise sowie beispielsweise die andauernden Proteste in Hongkong“, so Gruhle.

Die Entwicklung der Gehälter in Europa bleibt trotz der globalen Einflüsse weiterhin weitgehend stabil. „Für Westeuropa wird in 2020 ein durchschnittlicher realer Gehaltszuwachs von 1,1 Prozent prognostiziert, in Mittel- und Osteuropa liegt dieser Wert mit 1,2 Prozent etwas höher“, betont Gruhle. „Insgesamt ist die Entwicklung in Europa beständig, allerdings zeigen Regionen wie Asien mit einem inflationsbereinigten Plus von 2,6 Prozent deutlich mehr Dynamik, wenn auch geringer als im Vorjahr.“ 

1 Zu diesen Ländern gehören beispielsweise: Angola, Demokratische Republik Kongo, Äthiopien,  Nigeria, Yemen und Zimbabwe. 


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