Mercer | Automatisierung gefährdet Arbeitsplätze älterer Arbeitnehmer

Automatisierung gefährdet Arbeitsplätze älterer Arbeitnehmer | Mercer

Automatisierung gefährdet Arbeitsplätze älterer Arbeitnehmer

  • 17. Oktober 2018
  • Austria, Wien
  • China und andere asiatische Länder besonders betroffen
  • Österreich unter den europäischen Ländern im Mittelfeld
  • Investitionen in Fortbildung und Job-Redesign zahlen sich aus

Die zunehmende Automatisierung gefährdet die Arbeitsplätze älterer Arbeitnehmer. Gleichzeitig fehlen in den überalterten Gesellschaften junge Nachwuchskräfte. Das zeigt eine aktuelle Studie, die die Beratungsunternehmen Oliver Wyman und Mercer für das Global Risk Center der Marsh & McLennan Companies durchgeführt haben. Um trotz dieses soziodemografischen Trends ausreichend Fachkräfte zu gewinnen, müssen Unternehmen ältere Arbeitnehmer als Chance begreifen und in Fortbildung und Job-Redesign investieren.

Die Kombination einer alternden Weltbevölkerung mit der zunehmenden Automatisierung in der Arbeitswelt wird erhebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen haben – insbesondere in einigen asiatischen Ländern, in denen gering qualifizierte Arbeitskräfte im Alter von 50 bis 64 Jahren einen immer größeren Anteil der Erwerbsbevölkerung darstellen. Bis 2025 laufen in China 76 Prozent, in Thailand 69 Prozent der älteren Arbeitnehmer Gefahr, aufgrund der Automatisierung nicht mehr am Arbeitsmarkt teilhaben zu können.

Doch auch in europäischen Ländern wie Österreich oder Italien drohen Jobs wegzubrechen, die mit älteren Arbeitnehmern besetzt sind. Obwohl in Österreich viele ausgebildete Fachkräfte arbeiten, deren Arbeitsplätze in der Regel schwer zu automatisieren sind, drohen hierzulande 54 Prozent der von älteren Mitarbeitern besetzten Stellen wegzufallen. Das ist das Ergebnis der Studie „The Twin Threats of Aging and Automation“ des Global Risk Center von Marsh & McLennan Companies.

Im Rahmen der Studie haben Experten von Oliver Wyman und Mercer untersucht, wie sich die Automatisierung auf ältere Arbeitnehmer in 15 ausgewählten Staaten in Europa, Asien und Amerika auswirkt. Neben Industriestruktur und Ausbildungssystem hängt das Automatisierungsrisiko für ältere Menschen auch von der Gestaltung der Sozial- sowie der Finanzierungssysteme ab.

Weitreichende Folgen für die Gesellschaft

Gerade in Kombination mit einer alternden Bevölkerung hat die Automatisierung weitreichende Folgen: „Unternehmen ringen heute um die zeitnahe und effiziente Einführung intelligenter Technologien – was sich unverhältnismäßig stark auf die älteren Arbeitnehmer auswirken kann“, sagt Axel Miller, Partner bei Oliver Wyman. „Diese Verschiebung kann zu Arbeitslosigkeit, zunehmender Ungleichheit und größerer Belastung der Sicherheitsnetze führen.“ Es bestehe die Gefahr, dass die Älteren von der Wirtschaft von morgen ausgeschlossen werden – auch dann, wenn sie bereit und in der Lage sind, eine sinnvolle Arbeit zu leisten.

Ein Blick auf die Nachbarländer zeigt, dass die Automatisierung das Leben der älteren Arbeitnehmer auch in Deutschland stark beeinflussen könnte – das Verdrängungsrisiko liegt hier bei 57 Prozent. Die Schweiz schneidet im deutschsprachigen Ländervergleich mit 49 Prozent Risiko am besten ab. Die niedrigsten Risikowerte weltweit weisen Australien mit 42 Prozent und Kanada mit 47 Prozent auf – für diese Länder ergibt sich auch die niedrigste Überalterungsquote.

Ältere Arbeitnehmer als Chance sehen

Steigende Lebenserwartungen und sinkende Geburtenraten führen in vielen Volkswirtschaften dazu, dass die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter schrumpft. So geht die UNO davon aus, dass in Österreich der Anteil der zur Verfügung stehenden Menschen im erwerbsfähigen Alter an der Gesamtbevölkerung zwischen 2015 und 2030 um mehr als sechs Prozent abnimmt.

„Die Automatisierung ermöglicht eine beispiellose Produktivität und gibt den Unternehmen die Möglichkeit, aufgrund von Einsparungen bei den Personalkosten in neue Einnahmequellen und Mitarbeiter zu investieren“, sagt Sebastian Karwautz, Leiter des Bereichs Career Central & Eastern Europe bei Mercer. Dies werde allerdings schwierig, wenn die Nachwuchskräfte fehlen. Unternehmen müssen nun handeln, um trotz dieses soziodemografischen Trends ausreichend Fachkräfte und Mitarbeiter für ihre Arbeit zu gewinnen. So werden die älteren Arbeitnehmer wieder zur Chance.

„Regierungen und Unternehmen sollten ältere Arbeitnehmer stärker integrieren und benötigen einen Plan, der sich nicht nur um ihre umfangreichen digitalen Strategien dreht, sondern auch die ältere Generation berücksichtigt“, so Karwautz weiter. Erfahrungsschatz, Konsolidierung von Wissen, Kontinuität: Investitionen in ältere Mitarbeiter durch betriebliche Umschulungsmaßnahmen und Strategien für ein effektives Job-Redesign machen sich bezahlt, wenn Unternehmen die spezifischen Fähigkeiten gut zu nutzen wissen.

Der vollständige Report steht hier zum Download bereit.

Über die Analyse

Anhand von Daten der Vereinten Nationen (UNO) errechneten die Autoren die Anzahl der älteren Arbeitnehmer in jeder der neun Beschäftigungskategorien der UNO. In den meisten Ländern werden ältere Arbeitnehmer als diejenigen definiert, die noch im Alter zwischen 50 und 64 Jahren erwerbstätig sind – mit Ausnahme von Kanada (45-64 Jahre) und den Vereinigten Staaten (55-64 Jahre). Indem die Autoren diese neun Kategorien auf die Werte des „Risikos der Automatisierung“ der Forscher Martin Frey & Carl Osbourne von der Universität Oxford abbilden, generieren sie gewichtete Durchschnittswerte für das Automatisierungsrisiko älterer Arbeitnehmer für jede Nation und berechnen das durchschnittliche Risiko der Automatisierung für ältere Arbeitnehmer.

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