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In wirtschaftlich turbulenten Zeiten sind oftmals
organisatorische Veränderungen erforderlich, die sich auch auf die Verteilung
von Aufgaben und Verantwortlichkeiten auswirken. Häufig sind die bisherigen
detaillierten Ansätze zur Beschreibung und Organisation von Aufgaben und
Verantwortlichkeiten nicht flexibel genug, um auch bei Veränderungen zu
bestehen. Steigende Anforderungen und begrenzte Ressourcen verlangen nach einer
neuen, effizienten, transparenten, flexiblen und einfach zu handhabenden
Funktionsstruktur (Grading). Diese sollte zugleich die Basis für ein effektives
und integriertes Personalmanagement mit den Kernaufgaben Personalbeschaffung,
Vergütung und Entwicklung
bilden. Für international tätige Unternehmen sind die
Transparenz in der Unternehmensführung und Organisation sowie die
Vergleichbarkeit von Aufgaben und Verantwortlichkeiten äußerst kritische
Erfolgsfaktoren. In vielen Unternehmen existieren jedoch häufig parallel
unterschiedliche Strukturen und Systeme für Fach- und Führungskreise,
Gesamtvergütung, Leistungsbemessung und Personalentwicklung. Das erschwert nicht
nur die unternehmensinterne Identifikation und Förderung von Top-Talenten,
sondern auch die Gewinnung und Bindung neuer hoch qualifizierter Mitarbeiter.
Als Konsequenz führen insbesondere weltweit präsente Unternehmen eine länder-
und standortübergreifende einheitliche Funktionsstruktur (Grading) für Fach- und
Führungsfunktionen ein. Dieses globale Grading ermöglicht den Unternehmen, die
Wertigkeiten der Positionen in der Organisation abzubilden und vergleichbar zu
machen. Somit wird die Basis für ein konsistentes, länderübergreifendes
Vergütungs- und Performance-Management sowie für eine bedarfs- und
zielorientierte Fach- und Führungskräfteentwicklung
geschaffen. Das Gradingsystem ermöglicht
für gleichwertige Funktionen eine einheitliche, nachvollziehbare und
spezifizierte Bewertung von Performance, Potenzial und Managementkompetenzen und
darauf aufsetzend ein funktionierendes Talent-Management. Global Grading
bei adidas
Ein Unternehmen, das eine globale Levelsystematik
erfolgreich eingeführt hat und konzernweit anwendet, ist die adidas Group. Das
Vergütungsmanagement (GSMS – Global Salary Management System) und der
Leistungsbeurteilungs- und Entwicklungsprozess (PEP – Performance Evaluation and Planning) wurden
weltweit in das globale Grading integriert. Die genau definierten Standards
haben konzernweit Gültigkeit und stellen eine wesentliche Grundlage für die
erfolgreiche Steuerung des globalen Wachstums der adidas Unternehmensgruppe dar.
Besonders deutlich wird das am Beispiel der schnellen und reibungslosen
Integration von Reebok in den adidas Unternehmensverbund.
Mit dem Personalmanagement ist
in erster Linie das Ziel verbunden, sehr gute Mitarbeiter zu gewinnen, zu
motivieren und langfristig an das Unternehmen zu binden. adidas verfolgt die
Strategie, einen Großteil der Fach- und Führungsfunktionen aus dem Unternehmen
heraus zu entwickeln und zu besetzen. Um das zu erreichen, ist eine
marktgerechte und leistungsorientierte Vergütung, sowohl im Grundgehalt als auch
in der variablen Vergütung und den betrieblichen Nebenleistungen,
unerlässlich. Zu den wichtigsten Vorgaben für
die Entwicklung des adidas-spezifischen globalen Gradingsystems gehörte die
Ausrichtung der neuen, gruppenübergreifenden Stellenstruktur am Organisations-
und Geschäftsmodell und somit an der Wertschöpfung des Unternehmens. Vor
diesem Hintergrund fiel die Entscheidung bei der Auswahl eines geeigneten
Lösungsansatzes zugunsten des analytischen Stellenbewertungssystems
IPE© (International Position Evaluation) der international tätigen
Unternehmensberatung Mercer aus. Die IPE-Funktionswertanalyse basiert
auf den vier Faktoren Einfluss, Kommunikation, Innovation und
Kenntnisse/Fähigkeiten. Diese sind additiv miteinander verknüpft und
beeinflussen die Wertigkeit einer Funktion unabhängig voneinander. Als
wesentlicher Bestandteil des Faktors Einfluss steht bei der
IPE-Methodik der Wertbeitrag, der einer Funktion am Unternehmenserfolg
zugeschrieben werden kann, im
Mittelpunkt. Bei der Entwicklung der neuen
Gradingsystematik wurden im ersten Schritt weltweit die relevanten Fach- und
Führungsfunktionen identifiziert. Anschließend wurden deren Aufgabeninhalte und
Verantwortlichkeiten gemäß den IPE-Bewertungskriterien strukturiert und
in einem einheitlichen Profil dokumentiert. Daran anknüpfend erfolgte die
Bewertung der einzelnen
Funktionen.
Im nächsten Schritt erfolgte
die Validierung der Bewertungsergebnisse auf unterschiedlichen Ebenen (Business
Area, Region, Brand und gruppenübergreifend). Davon ausgehend wurden die Stellen
mit vergleichbaren Wertigkeiten zu Funktionsgruppen zusammengefasst und in Fach-
und Führungskreise (S-, M- und P-Grades) übertragen. Auf diese Weise konnten
Organisationsebenen verschlankt und konzernweit transparent gemacht
werden.
Anschließend wurden für jede
Funktionsgruppe marktgerechte Gehaltsbänder definiert, die auch für
Top-Performer attraktive Anreize hinsichtlich Gehalts- und Karriereentwicklung
setzen. Mit diesem abschließenden Schritt war die Struktur des adidas GSMS (Global Salary Management System)
geschaffen. Um adidas den schnellen und unkomplizierten Zugriff auf die
Vergütungsdaten aus den Mercer TRS-Gesamtvergütungsstudien zu
ermöglichen, wurden die einzelnen Grade innerhalb des GSMS mit der
IPE-Bewertung
verknüpft. Jobgrade,
Performance-Management, Talent-Management, Succession-ManagementDie Basis für eine erfolgreiche
Personalarbeit bei der adidas Gruppe bilden das optimale Zusammenspiel von
verschiedenen HR-Systemen und -Prozessen sowie damit verbundene Instrumente und
Programme. Den grundlegenden Rahmen dafür bietet die Leistungskultur
(Performance Culture), die auf den Faktoren Leadership Excellence,
Performance-Management und Talent-Management
basiert.
Wo die Verbindungen der
Leistungskultur zum Jobgrading-System, zum Performance-/Talent-Management und
zum Succession-Management liegen, wird im Folgenden
gezeigt: Im Zentrum des Bereichs
Performance Management steht der jährliche »Performance Evaluation and
Planning«-Prozess (kurz: PEP), der sich aus drei Schritten
zusammensetzt:
Leistungsbeurteilung: Der Vorgesetzte beurteilt auf
Basis der Stellenbeschreibung die Aufgabenerfüllung und Zielerreichung des
Mitarbeiters für das vergangene Jahr (was der Mitarbeiter geleistet hat).
Darüber hinaus bewertet er, wie der Mitarbeiter seine Arbeit ausgeführt hat.
Dabei werden die Kompetenzen des jeweiligen Levels berücksichtigt (Group
Competency Model, siehe
Tabelle).
Planung von
Entwicklungsaktivitäten/-maßnahmen: In diesem Schritt wird die persönliche und
berufliche Entwicklung des Mitarbeiters geplant und Entwicklungsmaßnahmen wie
die Erweiterung des Verantwortungsbereiches, Projektaufgaben und Trainings
werden identifiziert.
Zielvereinbarung: Die Vereinbarung der Ziele
zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter muss bis spätestens Ende März
abgeschlossen sein.
Die Schritte 1 und 2
erfolgen im Zeitraum zwischen Dezember und
Jänner.
Bei adidas sind drei verschiedene PEP-Versionen
im Einsatz. Hintergrund sind die verschiedenen Zielgruppen und ihre spezifischen
Anforderungen im Unternehmen, denen adidas mit den drei Versionen gerecht werden
möchte. Die Unterschiede liegen in der Abbildung der jeweiligen relevanten
Kompetenzen, die im Rahmen des gruppenweiten Kompetenzmodells definiert wurden.
Sie beziehen sich auf den jeweiligen Level, der dem betreffenden Mitarbeiter im
Rahmen des Jobgradings zugeordnet wurde (siehe
Tabelle). Der beschriebene
PEP-Prozess ist bei der adidas Gruppe ein fester Bestandteil des
Performance-Management-Ansatzes. Die Besprechung der Ergebnisse erfolgt in
jährlichen Performance-Review-Meetings. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für
die nachfolgenden
Kernprozesse:
Einfluss auf die Grundgehaltsentwicklung sowie
gegebenenfalls auf Bonuszahlungen: Die jährliche individuelle Höhe der
Gehaltsanpassung wird durch die Leistungsbeurteilung im PEP und
die individuelle Lage des Mitarbeiters im jeweiligen Gehaltsband, das sich
hinter jedem Jobgrade verbirgt, bestimmt. Grundlage ist eine Matrix, die der
Führungskraft vorgibt, in welchem Rahmen sich die Erhöhung bewegen sollte, um
den Leistungsgrad des Mitarbeiters im Gehaltsband adäquat abzubilden. Auch für
die Bonuszahlung ist das individuelle PEP-Rating neben den
Ergebnissen des jeweiligen Unternehmensbereichs sowie der adidas Gruppe
entscheidend.
Trainings- und Entwicklungsmaßnahmen: Im
PEP-Formular können im Abschnitt »persönliche und berufliche
Entwicklung« Trainings- und Entwicklungsmaßnahmen für das nächste Jahr
eingetragen werden, um den Mitarbeiter auf seiner derzeitigen Position zu
unterstützen. Zum Angebot gehört beispielsweise das »Fit for
Today«-Trainingsprogramm. Möglich sind aber z. B. auch Erweiterungen des
Verantwortungsbereichs und
Projektaufgaben.
Der PEP-Prozess dient
auch dazu, Leistungsträger zu identifizieren. Ein Instrument für die
Identifizierung von Talenten ist der »Team Line Up-Prozess« (kurz:
TLU). Mithilfe von TLU kann die Führungskraft einen
besseren Überblick über ihr Team gewinnen und Leistungs- und Potenzialträger
erkennen. Im sogenannten »TLU-Spielfeld«, einer Matrix mit den
Dimensionen Leistung und Potenzial, kann die Führungskraft ihre Mitarbeiter
platzieren. Weisen die identifizierten Leistungsträger Potenzial für das nächste
hierarchische Level auf, so können sie für die »Fit for
Tomorrow«-Talent-Management-Programme in Betracht gezogen werden. Für die
Nominierung eines Talents für das passende Entwicklungsprogramm spielt neben der Potenzial- und Leistungsaussage der Jobgrade des
Talents eine wichtige
Rolle.
Vorteile
Der beschriebene Prozess bietet eine
Reihe von Vorteilen:
Er macht die Karriereentwicklung auf Konzernebene
unabhängig vom Bereich
transparent.
Er stellt sicher, dass für die Programme eine
homogene Teilnehmergruppe bezogen auf Verantwortung und Funktion
zusammengestellt
wird.
Er gewährleistet, dass für alle Mitarbeiter weltweit
ein transparenter Entwicklungsprozess abgebildet
wird.
Der Jobgrade eines Mitarbeiters
gibt zudem wichtige Hinweise für die Nachfolgeplanung in der adidas
Gruppe.
ConclusionDie Einführung eines
konzernweiten Grading-Systems in Verbindung mit aktualisierten
Stellenbeschreibungen war die entscheidende Voraussetzung für die erfolgreiche
Umsetzung von PEP und GSMS
bei
adidas. Am Beispiel adidas wird
deutlich, wie wichtig es ist, Aufgaben und Verantwortlichkeiten im Unternehmen
nicht mehr reaktiv zu organisieren, sondern aktiv im Sinne der
Geschäftsstrategie zu gestalten, um auf diese Weise die Nachhaltigkeit des
Unternehmenswachstums zu sichern. Entscheidend beim Aufbau eines entsprechenden
Job-Leveling-Systems und eines integrierten Personalmanagements ist, dass das
Gradingverfahren flexibel auf jedes Geschäftsmodell, jede Unternehmensform und
mögliche Organisationsveränderungen angewandt werden kann. Zudem sollte das
Grading System leicht zu implementieren und einfach zu kommunizieren sein. Bei
adidas ist es gelungen, ein Instrument einzusetzen, das all diesen Anforderungen
gerecht wird und eine zukunftsfähige, innovative Lösung
bietet.
Tabelle: Competency
Model
|
|
GSMS* Grade
|
Competency Level |
Competencies per Level |
| |
|
- big picture and visionary thinking
|
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S1 |
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S2 |
Executive Competencies |
- leading through vision and values
|
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S3 |
|
- develop leaders and manage talents
|
|
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|
| |
|
- manage business (process projects)
|
|
M1 |
|
- manage and develop people
|
| |
Managerial Competencies |
- provide framework of performance
|
|
M2 |
|
|
| |
|
|
| |
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|
|
M3 |
|
- manage relationships and diversity
|
|
M4 |
Professional Competencies |
|
|
P1-4 |
|
- analysis and problemsolving
|
| |
|
- learning and self-development
|
| |
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|
| * GSMS = Global Salary Management
System |
Der Artikel erschien auch im TRAiNiNG Magazin vom
29. Mai 2009.
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