Rechnungszins für IFRS/US-GAAP/UGB-Bewertungen

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Um Unternehmen einen Überblick über die Entwicklung des Rechnungszinses zu geben, sowie bei der Festlegung dieses zu unterstützen, informiert Mercer hier monatlich über den Rechnungszins für IFRS-, US-GAAP- und UGB-Bewertungen von Sozialkapitalverpflichtungen. Im November und Dezember wird darüber hinaus wöchentlich über die Entwicklung des aktuellen Zinssatzes berichtet.

1. Rechnungszins für IFRS/US-GAAP-Bewertungen

Mercer verwendet für die Ermittlung der Zinsempfehlung einen eigenen Ansatz, den „Mercer Yield Curve approach“ (MYC). Dieser wird für die Festlegung der Zinssätze für internationale Bewertungen in USA, UK, Kanada, Eurozone und einigen anderen Ländern angewendet. Nach diesem Ansatz wird im Euroraum eine „Spot Rate Yield Curve“ auf Basis der Anleihen aus den Indizes von Thomson Reuters Datastream (bzw. bis 31.5.2015 von Bloomberg) erstellt. Da der Zinssatz nach IAS 19.78 nur den „Zeitwert des Geldes“ („time value of money“) darstellen soll, der definitionsgemäß keine größeren Ausfallrisiken beinhalten kann, verwendet Mercer dementsprechend nur Anleihen, die keine Zins verzerrenden Optionen besitzen, wie es z.B. bei Call- oder Put-Optionen der Fall wäre. Ferner werden Anleihen, die im Vergleich zu den anderen Anleihen in ihrer Risikoeinstufung viel höhere oder niedrigere Zinsen bieten (statistische Ausreißer), ebenfalls nicht berücksichtigt. Eine detaillierte Erläuterung der oben beschriebenen Methode können Sie hier nachlesen.

Für die Bewertungen nach internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS/US-GAAP/FRS) ist der Zinssatz gemäß der Fristigkeit der Verbindlichkeit auf Basis von „high quality corporate bonds“ zu ermitteln. Im langjährigen Mittel lagen diese Zinssätze nur um rund 0,5 Prozentpunkte über den Zinssätzen für (quasi sichere) Staatsanleihen mit AAA-Rating (AAA rated government bonds). Für „high quality corporate bonds“ wurden daher bisher von Standardsettern, Wirtschaftsprüfern und Aktuaren üblicherweise Firmenanleihen mit AA-Ratings herangezogen. So ist z. B. der iBoxx corporate AA10+ Index ein häufig verwendeter Referenzindex.

Aufgrund der Unsicherheiten an den Finanzmärkten hatte sich der Abstand zwischen der Rendite von (quasi sicheren) Staatsanleihen mit AAA-Rating und der Rendite von Firmenanleihen mit einem AA-Rating von früher 0,5 Prozentpunkten auf bis zu über 2 Prozentpunkten in 2008 erhöht („Spread“). Dies resultiert daraus, dass die Märkte bislang noch viele als AA eingestufte Anleihen tatsächlich mit einem bedeutenden Risikoaufschlag versehen hatten. Inzwischen bewegt sich der „Spread“ in etwa wieder in einem Rahmen wie vor der Finanz- und Staatsschuldenkrise.

Die  jeweils verwendete Methode hat einen sehr großen Einfluss auf die Zinsermittlung.

Den Unternehmen eröffnet sich dementsprechend ein gewisser Spielraum bei der Wahl des Rechnungszinses (wobei jedoch die Prinzipien der Kontinuität und Konsistenz beachtet werden müssen).

Nähere Informationen zu den derzeit bestehenden Unsicherheiten in der Eurozone (EZB Quantitative Easing, Brexit und Griechenlandkrise) und deren Auswirkungen auf die Zinsen von Firmenanleihen finden Sie hier.

Wir geben unsere Zinsempfehlung für die Durationen 10, 15 und 20 Jahre an. Für abweichende Durationen kann der Zins durch Interpolation der Werte aus der unten angegebenen Tabelle ermittelt werden. Dabei ist zu beachten, dass sich durch das derzeit niedrige Zinsniveau höhere Durationen als in den Vorjahren ergeben können.

 


Basis: Bis 31.5.2015 Indizes von Bloomberg. Zinssätze Mercer Yield Curve 2006–2014 auf 10 Basispunkte gerundet.

Die Auswirkungen der Zinsänderungen führen zu so genannten versicherungsmathematischen Gewinnen/Verlusten. Diese müssen nach der Ende September 2006 verabschiedeten Neufassung von ASC 715 (US-GAAP) bzw. nach der im Juni 2011 verabschiedeten und ab 2013 anzuwendenden Fassung von IAS 19 (revised 2011) sofort erfolgsneutral berücksichtigt werden. Bei ASC 715 führen Gewinne und Verluste bei Anwendung der sog. Korridormethode und Überschreiten des Korridors zu einem erhöhten (bei Verlusten) bzw. ermäßigten (bei Gewinnen) Aufwand im nächsten Jahr.

Durch Interpolation über Splines kann man für unterschiedliche Durationen folgende Zinssätze aus der MYC herleiten (Stand 30.11.2016):


2. Rechnungszins für UGB-Bewertungen

Die Stellungnahme des AFRAC (Austrian Financial Reporting and Auditing Committee) zum Thema „Rückstellungen für Pensions-, Abfertigungs-, Jubiläumsgeld- und vergleichbare langfristig fällige Verpflichtungen nach den Vorschriften des Unternehmensgesetzbuches (UGB)“ liegt seit Juli 2015 offiziell vor und wurde Juni 2016 überarbeitet. Diese Stellungnahme ist für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2015 beginnen verpflichtend anzuwenden, eine vorzeitige Anwendung ist möglich. Hintergrund ist eine Annäherung der unternehmensrechtlichen Bilanzierung für langfristige Personalverpflichtungen an jene der IFRS (IAS19).

Hinsichtlich des Rechnungszinssatzes ist gemäß der Stellungnahme eines der beiden folgenden Verfahren anzuwenden:

  • Aktueller Zinssatz - dieser Zinssatz entspricht dem Rechnungszins für IFRS/US-GAAP Bewertungen – siehe Absatz 1)
  • Durchschnittszinssatz - das ist jener Zinssatz, der sich als Durchschnitt aus dem oben genannten Zinssatz zum Abschlussstichtag und den ebenso ermittelten Zinssätzen der vorangegangenen Abschlussstichtage ergibt. In Anlehnung auf der deutschen Rückstellungsabzinsungsverordnung darf der Durchschnittszinssatz auch aus den jeweiligen Monatsendständen gemäß den deutschen Kundmachungen der Rechtsverordnungen nach § 253 Abs. 2 vierter Satz dHGB ermittelt werden.

    Der Durchschnittszinssatz soll wahlweise auf Basis eines Zeitraums zwischen 5 und 10 Jahren ermittelt werden. Der gewählte Durchschnittszeitraum ist stetig anzuwenden.

Bei der Ermittlung des Durchschnittszinssatzes kann entweder pauschal der Rechnungszinssatz für eine 15-jährige Laufzeit angesetzt werden oder der Rechnungszinssatz wird entsprechend der tatsächlichen Restlaufzeit der Verpflichtungen gewählt.

Die nachfolgende Tabelle stellt die Zinsen für eine 15-jährige Laufzeit auf Basis des 7-Jahres-Durchschnitts und des 10-Jahres-Durchschnitts dar (Quelle: Deutsche Bundesbank):


Die kurzfristige Entwicklung des Durchschnittszinssatzes ist gut abschätzbar. Unterstellt man, dass das gegenwärtige Zinsniveau unverändert bleibt, so ergeben sich folgende prognostizierte Zinssätze (Stand 30.11.2016):

 

Festlegung der Rechnungszinssätze
Auch in diesem Jahr informiert Mercer wieder ab Mitte November wöchentlich über den aktuellen Zinssatz und den sich daraus zum 31.12.2016 voraussichtlich ergebenden Rechnungszins für IFRS/US-GAAP Bewertungen um Unternehmen bei der Festlegung des Rechnungszinses zu unterstützen.

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