Presse

Pensionssystem in Österreich ist nicht nachhaltig

  • 19. Oktober 2015
  • Austria, Wien

• Dänemark ist internationaler Spitzenreiter, Österreich landet nur auf Platz 18
• Reformen sind dringend notwendig

Im Vergleich der Altersvorsorgesysteme in 25 ausgesuchten Ländern liegt Österreich nur auf dem 18. Platz. Spitzenreiter bleibt Dänemark, gefolgt von Australien und den Niederlanden. Die Schlusslichter des Rankings sind Indien, Südkorea und Japan.

Zu diesem Ergebnis kommt der heute veröffentlichte Melbourne Mercer Global Pension Index 2015, der vom Beratungsunternehmen Mercer bereits zum siebten Mal in Kooperation mit dem Australian Centre for Financial Studies erstellt wurde. Die Bewertung des österreichischen Rentensystems wurde auch 2015 durch die Zusammenarbeit mit der Agenda Austria ermöglicht. Die Studie untersucht und bewertet die Altersversorgung verschiedener Länder hinsichtlich ihrer Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Integrität. Dabei wurden neben den staatlichen Rentensystemen und der betrieblichen Altersversorgung auch private Anlagen und Vorsorgemaßnahmen berücksichtigt.

Gründe für das gute Abschneiden Dänemarks (81,7 von 100 möglichen Punkten) sind u. a. die solide Finanzierung und guten Leistungen auf Basis eines hohen Vermögens- und Beitragsniveaus. Ein weiterer Vorteil ist ein gut reguliertes privates Vorsorgesystem.

Pensionssystem in Österreich steht auf schwachen Beinen

Mit 52,2 liegt der Gesamtindexwert Österreichs in etwa im Bereich des Vorjahresergebnisses (2014: 52,8). Das entspricht Rang 18 von 25 entspricht. Hauptgrund für dieses vergleichsweise schlechte Ergebnis ist der Bereich Nachhaltigkeit, in dem z. B. die Finanzierung des Rentensystems betrachtet wird. Hier erreicht Österreich lediglich 17,2 Punkte und ist damit seit 2014 (18,9 Punkte) weiter zurückgefallen. Nur Italien (12,1 Punkte) liegt noch dahinter.

Die fehlende Nachhaltigkeit des österreichischen Systems, z. B. im Vergleich zum schwedischen Modell, ist dadurch begründet, dass es keine automatische Anpassung an demografische Entwicklungen gibt. Eine solche automatische Anpassung wäre für alle Generationen gerechter. Um das System zukunftsfähig zu halten, sollten die Arbeitsgruppen und Pensionsreformkommissionen der österreichischen Ministerien sich weiterhin mit Themen wie z. B.:

• Koppelung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters an die Lebenserwartung
• Ermöglichung eines flexiblen Übergangs in den Ruhestand
• Erhöhung der Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer
• Schnellere Erhöhung des Pensionsantrittsalters für Frauen

befassen und darauf aufbauend auch Entscheidungen treffen.

„Die Bewertung Österreichs zeigt, wo am Pensionssystem noch gearbeitet werden muss. Dass sich das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr nicht wesentlich verändern wird, war zu erwarten, nachdem es keine Reformen gab. Wünschenswert und wichtig wäre eine Reaktion auf derzeitige und zukünftige Entwicklungen, wie z. B. die Überalterung der Bevölkerung bei gleichzeitigem Arbeitskräftemangel – bereits 2030 werden wir hier vor großen Herausforderungen stehen“, so Josef Papousek, Geschäftsführer von Mercer in Österreich. „Wir benötigen endlich eine attraktive Unterstützung für Unternehmen in Österreich ‒ zum Beispiel durch steuerliche Anreize, um Gesundheits- und Altersversorgung anbieten und den demografischen Wandel bewältigen zu können. Umstände wie z. B. die steigende Lebenserwartung müssen im System berücksichtigt werden.“

Franz Schellhorn, Direktor der Agenda Austria, ergänzt: „Es ist kein Zufall, dass sich die Ergebnisse des Melbourne Mercer Global Pension Index 2015 im Großen und Ganzen mit jenen unserer Studien decken. Die Erkenntnisse der Agenda Austria deuten stark darauf hin, dass in Österreich so wie in Schweden die Pensionshöhe automatisch an die aktuelle Lebenserwartung angepasst werden sollte. Auch dieser nach 2014 zweite Vergleich ist ein klarer Beleg, dass der Handlungsbedarf in Österreich groß ist."

Von Spitzenreitern lernen

„Es war noch nie wichtiger als heute, die Rentensysteme durch notwendige Reformen zu verbessern und damit auch die finanzielle Sicherheit des Einzelnen und der Gesellschaft zu gewährleisten“, so David Knox, Autor der Studie und Senior Partner bei Mercer. „‘Der Melbourne Mercer Global Pension Index‘ ermöglicht Verantwortlichen in der Politik, von den angemessensten und nachhaltigsten Systemen der Welt zu lernen. Wir wissen, dass es kein perfektes und universell anwendbares System gibt, aber wir sehen viele Gemeinsamkeiten, die zu besseren Ergebnissen führen können.“

Der Index werde weiterhin von Forschern und politischen Entscheidungsträgern herangezogen, um die Vor- und Nachteile ihrer jeweiligen Rentensysteme zu bewerten, ergänzt Amy Auster, Executive Director des Australian Centre for Financial Studies.

„Im weltweiten Vergleich zeigt der Index die Stärken der verschiedenen Rentensysteme und deren Verbesserungsmöglichkeiten auf. Einige Länder haben bereits Empfehlungen aus unseren jährlichen Reports aufgegriffen und damit ihre Rentensysteme gestärkt.“

„Es ist erfreulich, dass der Index Politik und Wirtschaft dazu ermutigt, eine langfristige Perspektive einzunehmen und sie dabei unterstützt, ihre Rentensysteme zu verbessern“, so Auster. „Mit Blick auf die demografischen Herausforderungen und wechselhaften Marktbedingungen ist das nicht immer einfach. Dennoch arbeiten Verantwortliche weltweit weiterhin daran, ihre Rentensysteme zu stärken, damit diese auch zukünftige Generationen adäquat unterstützen können.“

Entwicklungen und Trends

„Wenn man die letzten sieben Jahre betrachtet, in denen unser Global Pension Index veröffentlicht wurde, zeigt sich, wie wichtig grundlegende Änderungen wie die Erhöhung des Rentenalters, die Verbesserung der Erwerbsquote von Älteren und die Finanzierung zusätzlicher Rentenbeiträge weltweit sind“, so David Knox.

In den elf Ländern, die seit 2009 Teil des Index sind, hat sich die durchschnittliche Rentenbezugsdauer von 16,6 auf 18,4 Jahre erhöht. In fünf dieser Länder – Australien, Deutschland, Japan, Singapur und UK – wurde als Reaktion das Rentenalter angehoben. Doch die Rentenbezugsdauer wird sich in den nächsten 20 Jahren in acht dieser elf Länder weiter erhöhen. Lediglich in Kanada und den Niederlanden (beide planen in den nächsten Jahren eine Anhebung des Rentenalters auf 67) sowie den USA (etwas kürzere Lebenserwartung) zeigt sich eine Verringerung.

Die durchschnittliche Erwerbsquote der 55- bis 64-jährigen ist in den 16 Ländern, die seit 2011 im Index betrachtet werden, von 57,9 auf 62,2 Prozent gestiegen, was etwas mehr als einem Prozent pro Jahr entspricht. Allerdings hat sich die Quote bspw. in den USA verringert, während sie sich in Brasilien, Indien und China um weniger als 4 Prozent verbessert hat.

„Einer der effektivsten Wege, die Nachhaltigkeit eines Rentensystems mit Blick auf eine steigende Lebenserwartung zu stärken, ist die Verlängerung der Erwerbstätigkeit“, kommentiert Knox. „Wenn man bedenkt, dass die Quote in den meisten Ländern noch immer unter 70 Prozent liegt, gibt es weltweit noch viel Potenzial, Rentensysteme nachhaltiger zu gestalten.“

Zur Bewertung der Nachhaltigkeit eines Rentensystems muss auch berücksichtigt werden, welche Mittel heute zurückgelegt werden, um zukünftige Leistungen zu gewähren und die nachfolgenden Generationen zu entlasten. Hier zeigen sich im Ländervergleich enorme Unterschiede – von 1,8 Prozent des BIP in Indonesien und 6 Prozent des BIP in Österreich bis hin zu 160,6 Prozent des BIP in den Niederlanden und 168,9 Prozent des BIP in Dänemark.

„Die deutlichen Unterschiede im Rentenvermögen sollten von den Ländern als Aufforderung verstanden werden, sich weiterhin bestmöglich vorzubereiten“, so Knox.

Ergebnisse nach Gesamtindexwert geordnet

Land

 

Ranking

Gesamtindex

2015

Werte der Sub-Indices

2015

2014

Angemessenheit

Nachhaltigkeit

Integrität

Dänemark

1/25

1/25

81.7

77.2

84.7

84.5

Niederlande

2/25

3/25

80.5

80.5

74.3

89.3

Australien

3/25

2/25

79.6

81.2

72.1

87.6

Schweden

4/25

6/25

74.2

71.1

72.6

81.5

Schweiz

4/25

5/25

74.2

73.9

68.4

82.9

Finnland

6/25

4/25

73.0

70.7

61.8

92.4

Kanada

7/25

7/25

70.0

79.4

56.2

74.3

Chile

8/25

8/25

69.1

62.8

65.0

84.8

UK

9/25

9/25

65.0

64.2

51.3

85.5

Singapur

10/25

10/25

64.7

55.7

65.9

77.2

Irland

11/25

11/25

63.1

77.0

36.2

78.5

Deutschland

12/25

11/25

62.0

76.0

36.8

75.0

Frankreich

13/25

14/25

57.4

77.2

36.6

54.9

USA

14/25

13/25

56.3

55.1

54.4

61.1

Polen

15/25

15/25

56.2

61.8

40.6

69.0

Südafrika

16/25

16/25

53.4

47.3

43.0

77.7

Brasilien

17/25

18/25

53.2

64.6

24.5

75.1

Österreich

18/25

17/25

52.2

67.6

17.2

76.8

Mexiko

19/25

20/25

52.1

56.4

53.5

43.4

Italien

20/25

19/25

50.9

68.4

12.1

77.4

Indonesien

21/25

22/25

48.2

41.3

40.1

70.8

China

22/25

21/25

48.0

62.7

29.8

50.0

Japan

23/25

23/25

44.1

48.8

26.5

61.2

Südkorea

24/25

24/25

43.8

43.9

41.6

46.8

Indien

25/25

25/25

40.3

30.0

39.9

57.6

Durchschnitt

 

 

60.5

63.8

48.2

72.6


Zur Methodik der Studie:


• Der Melbourne Mercer Global Pension Index wurde erstmalig im Jahr 2009 mit einem Ranking für 11 Länder erstellt. Inzwischen umfasst der Index 25 Länder.

• Jedes Land ist auf einer Skala von 0 bis 100 bewertet. Der Gesamtindex ist der gewichtete Durchschnittswert der drei Sub-Indices Leistungen, Finanzierung und Rahmenbedingungen.

• Der Sub-Index Angemessenheit untersucht die derzeit gewährten Versorgungsleistungen und einige wichtige Gestaltungsmerkmale, wie z. B. Versorgungsniveau, steuerliche Anreize, Gestaltung der Altersversorgungsmodelle, Sparquote. Er wird als wichtigster Index mit 40 % gewichtet.

• Der Sub-Index Nachhaltigkeit untersucht anhand mehrerer Indikatoren, ob das gegenwärtige System in Zukunft aufrechterhalten werden kann. Bei diesem Sub-Index spielen Faktoren wie z. B. Rückdeckung, Finanzierung, Demografie, Staatsverschuldung und flexible Arbeitszeitmodelle für ältere Arbeitnehmer eine Rolle. Dieser Sub-Index wird mit 35 % gewichtet.

• Der Sub-Index Integrität konzentriert sich auf den Bereich der Privatvorsorge und untersucht anhand verschiedener Indikatoren, wie „vertrauenswürdig“ und beständig das Vorsorgesystem ist. Hier spielen staatliche Aufsicht, Governance, Risikosteuerung und Kommunikation eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung. Die Gewichtung liegt bei 25 %.

Zur Bewertung der einzelnen Länder wurden über 40 Indikatoren für erstrebenswerte Merkmale in allen Altersversorgungssystemen berücksichtigt.

Über Mercer (www.mercer.com)

Mercer zählt mit über 20.000 Mitarbeitern in mehr als 40 Ländern zu den führenden globalen Anbietern von Dienstleistungen in den Bereichen Talent, Health, Retirement und Investments. Die Berater von Mercer unterstützen Unternehmen bei der Gestaltung und dem Management von betrieblichen Nebenleistungen, insbesondere im Bereich betriebliche Altersversorgung und Gesundheitsleistungen sowie bei der Optimierung des Human Capital Managements. Das Unternehmen ist überdies einer der führenden Anbieter von Verwaltungslösungen für betriebliche Nebenleistungen. Die Mercer-Dienstleistungen im Bereich Investments beinhalten das Investment Consulting sowie Multi-Manager Investment-Produkte. Das Unternehmen ist Teil der Marsh & McLennan Companies, Inc. (www.mercer.com). Die Aktie der Muttergesellschaft ist mit dem Ticker-Symbol MMC an den Börsen New York, Chicago, Pacific und London notiert.

Mercer (Austria) GmbH (www.mercer.at)

ist für österreichische Konzerne das Portal in die weltweit führende Human Ressource-Beratung von Mercer. Die Experten vor Ort verbinden globale Expertise mit effektiver Unterstützung bei allen landesspezifischen Fragen und Chancen.

Über die Agenda Austria (www.agenda-austria.at)

Die Agenda Austria ist der erste von Staat, Parteien, Kammern und Interessenverbänden unabhängige Thinktank Österreichs. Sie zeigt Wege auf, wie der Wohlstand der Bevölkerung mit einfachen Korrekturen abzusichern und auszubauen ist, wie unternehmerisches Denken zu fördern und sozialer Friede zu sichern ist, ohne Jahr für Jahr mehr Geld vom Staat umzuverteilen zu lassen. Die Agenda Austria finanziert sich ausschließlich aus privaten Quellen, und sie nimmt keine Studienaufträge von außen an. Das Institut erarbeitet wissenschaftlich fundierte Studien, deren Inhalt einzig und allein mit einem wissenschaftlichen Beirat abgestimmt werden muss. Die Agenda Austria arbeitet ergebnisoffen und orientiert sich an marktwirtschaftlichen Lösungen. Die erarbeiteten Studien und Analysen adressieren eine breite Öffentlichkeit.

 

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