Mercer | MMGPI 2016

Presseinformation

Altersvorsorge: In Österreich ist eine Reform notwendig

  • 24. Oktober 2016
  • Austria, Wien
  • Dänemark bleibt im fünften Jahr in Folge Spitzenreiter
  • Österreich belegt im weltweiten Vergleich nur Platz 18 von 27

Österreich liegt im Vergleich der Altersvorsorgesysteme in 27 ausgesuchten Ländern auf dem 18. Platz. Spitzenreiter bleibt Dänemark, gefolgt von den Niederlanden und Australien. Die Schlusslichter im Ranking sind Indien, Japan und Argentinien. Zu diesem Ergebnis kommt der heute veröffentlichte „Melbourne Mercer Global Pension Index 2016“. Dieser wurde vom Beratungsunternehmen Mercer bereits zum achten Mal in Kooperation mit dem Australian Centre for Financial Studies erstellt. Die Bewertung des österreichischen Rentensystems wurde auch 2016 durch die Zusammenarbeit mit der Agenda Austria ermöglicht.

Die Studie untersucht und bewertet die Altersvorsorge verschiedener Länder hinsichtlich ihrer Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Integrität. Dabei wurden neben den staatlichen Rentensystemen und der betrieblichen Altersversorgung auch private Vorsorgemaßnahmen berücksichtigt. In diesem Jahr hat sich der Melbourne Mercer Global Pension Index vor allem mit den Auswirkungen der raschen Alterung der Bevölkerung sowie mit der Frage befasst, inwieweit die Rentensysteme der einzelnen Länder auf den damit einhergehenden, beträchtlichen finanziellen Druck vorbereitet sind.

Dänemark hat sich den Spitzenplatz erneut unter anderem durch die solide Finanzierung, das hohe Vermögens- und Beitragsniveau sowie ein gut reguliertes privates Vorsorgesystem gesichert (80.5 von 100 möglichen Punkten).

Nachhaltigkeit: Wie lässt sich Österreichs Rentensystem stärken?

Mit einem Gesamtindexwert von 51.7 hat sich das österreichische Rentensystem im Vergleich zum Vorjahr (52.2) leicht verschlechtert. Auch wenn es dennoch im Gesamtranking auf Platz 18 geblieben ist, gibt es vor allem im Bereich Nachhaltigkeit, in dem u. a. die Finanzierung des Rentensystems betrachtet wird, einen unverändert großen Verbesserungsbedarf. Mit 16.0 Punkten hat Österreich hier erneut Boden verloren (2015: 17.2). Dahinter liegt nur noch Italien (13.5 Punkte).

Im Gegensatz zu Modellen in anderen Ländern, wie zum Beispiel in Schweden, gibt es im  österreichischen System keine automatische Anpassung an demografische Entwicklungen. Diese sorgt für eine größere Gerechtigkeit für alle Generationen. Um das System zukunftsfähig zu halten, sollten sich die Arbeitsgruppen und Pensionsreformkommissionen der österreichischen Ministerien weiterhin mit den folgenden Themen befassen:

  • Koppelung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters an die Lebenserwartung
  • Ermöglichung eines flexiblen Übergangs in den Ruhestand
  • Erhöhung der Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer
  • Schnellere Erhöhung des Pensionsantrittsalters für Frauen

„Das Ergebnis des Melbourne Mercer Global Pension Index 2016  zeigt abermals, dass das Pensionssystem in Österreich dringend eine Weiterentwicklung nötig hat. Kosmetische Anpassungen unserer Strategie zur Finanzierung der Pensionen sind längst nicht ausreichend, um gegenüber besser funktionierenden Systemen entscheidend aufzuholen Wünschenswert wäre eine ernstzunehmende Reform. Nur damit wäre ein deutlicher Sprung nach vorne im Ranking möglich“, sagt Josef Papousek, Geschäftsführer von Mercer in Österreich.

Es sei hoch an der Zeit, die österreichischen Pensionen besser abzusichern, fügt Franz Schellhorn, Direktor der Agenda Austria hinzu. "Ohne die steigende Lebenserwartung zu berücksichtigen, wird das nicht möglich sein. Das zeigt auch eine Studie der Agenda Austria. Schweden ist mit dem automatischen Berücksichtigen der Lebenserwartung ein Vorbild", so Schellhorn.

Lebenserwartung steigt weiter an, Bevölkerungen werden immer älter

Der diesjährige Bericht enthält auch eine Projektion für den Altersquotienten. Dieser dürfte laut David Knox, Verfasser der Studie und Senior Partner bei Mercer, in zahlreichen Regionen die Alarmglocken läuten lassen. „Dabei fällt der Altersquotient sehr unterschiedlich aus: In Südafrika wird das Verhältnis zwischen Rentnern und Menschen im erwerbsfähigen Alter im Jahr 2040 voraussichtlich bei 1:7 liegen, in Japan dagegen wahrscheinlich bei 1:1,44.“

Auch für Österreich wird ein ähnliches Ergebnis erwartet: 2040 könnten auf einen Rentner weniger als zwei Menschen im erwerbsfähigen Alter kommen. Knox zufolge sind diese Indikatoren zwar nicht vollständig zuverlässig, geben aber Hinweise auf Entwicklungen, die sich auf die Nachhaltigkeit und das Vertrauen der Menschen in die künftigen Rentenleistungen auswirken. „Indonesien ist ein interessantes Beispiel: Der relativ geringe Altenquotient wird durch eine vergleichsweise hohe Zahl älterer Erwerbstätiger und eine deutliche Anhebung des Renteneintrittsalters kompensiert“, erläutert Knox.

Druck auf nationale Rentensysteme nimmt zu

„Wie auch immer die Zahlen in den kommenden 40 Jahren aussehen werden – es ist kaum zu bezweifeln, dass die Menschen nach dem Renteneintritt immer länger leben“, fügt David Knox hinzu. Wenn sich am tatsächlichen und am gesetzlichen Renteneintrittsalter nichts ändere, steige der Druck auf die globalen Rentensysteme, und dies verringere die finanzielle Absicherung der älteren Mitbürger.

Die Lebenserwartung zum Zeitpunkt der Geburt ist in den meisten Ländern in den vergangenen 40 Jahren um 7 bis 14 Jahre gestiegen, d.h. im Durchschnitt alle vier Jahre um ein Jahr. Diese Entwicklung muss bei der Reform des Rentensystems berücksichtigt werden. Und was noch wichtiger ist: Die verbleibende Lebenserwartung eines 65-Jährigen hat sich in den vergangenen Jahren ebenfalls erhöht, wobei die Bandbreite von 1,7 Jahren in Indonesien bis 8,1 Jahren in Singapur reicht.

Die global sinkenden Geburtenraten hätten deutlich größere Auswirkungen als zahlreiche Regierungen und Staaten bisher angenommen haben, so Knox. „Es ist ein dringendes politisches Gebot, dass alle Länder – ganz gleich, wie groß sie sind und wie sie derzeit eingestuft werden – die erforderlichen Änderungen umsetzen, damit sie den durch die weltweite Alterung der Bevölkerung entstehenden Herausforderungen standhalten können.“

„Wir leben länger, verbringen einen größeren Teil unseres Lebens im Ruhestand und geben als Rentner mehr aus. Also müssen wir uns gut positionieren, um einen erfüllenden, angemessen finanzierten Ruhestand sicherzustellen“, so das Fazit von Professor Rodney Maddock vom Australian Centre for Financial Studies.

Ergebnisse nach Gesamtindexwert geordnet

Zur Methodik der Studie:

  • Der Melbourne Mercer Global Pension Index wurde erstmalig im Jahr 2009 mit einem Ranking für 11 Länder erstellt. Im vergangenen Jahr wurden 25 Länder untersucht, inzwischen umfasst der Index 27 Länder.
  • Im Vergleich zum Vorjahr hat es einige Änderungen gegeben, unter anderem eine Anpassung der Daten hinsichtlich gesunkener Nettoersatzraten sowie die Einbeziehung von Faktoren wie Altersarmut oder einer immer weiter steigenden Lebenserwartung und der damit einhergehenden längeren Rentenbezugszeit.
  • Jedes Land ist auf einer Skala von 0 bis 100 bewertet. Der Gesamtindex ist der gewichtete Durchschnittswert der drei Sub-Indices Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Integrität.
    • Der Sub-Index Angemessenheit untersucht die derzeit gewährten Versorgungsleistungen und einige wichtige Gestaltungsmerkmale, wie beispielsweise Versorgungsniveau, steuerliche Anreize, Gestaltung der Altersversorgungsmodelle, Sparquote. Er wird als wichtigster Index mit 40 Prozent gewichtet.
    • Der Sub-Index Nachhaltigkeit untersucht anhand mehrerer Indikatoren, ob das gegenwärtige System in Zukunft aufrechterhalten werden kann. Bei diesem Sub-Index spielen Faktoren wie zum Beispiel Rückdeckung, Finanzierung, Demografie, Staatsverschuldung und flexible Arbeitszeitmodelle für ältere Arbeitnehmer eine Rolle. Dieser Sub-Index wird mit 35 Prozent gewichtet.
    • Der Sub-Index Integrität konzentriert sich auf den Bereich der Privatvorsorge und untersucht anhand verschiedener Indikatoren, wie „vertrauenswürdig“ und beständig das Vorsorgesystem ist. Hier spielen staatliche Aufsicht, Governance, Risikosteuerung und Kommunikation eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung. Die Gewichtung liegt bei 25 Prozent.

Zur Bewertung der einzelnen Länder wurden über 40 Indikatoren für erstrebenswerte Merkmale in allen Altersversorgungssystemen berücksichtigt.

Die Studie wird unterstützt von der Regierung des australischen Bundesstaates Victoria. „Mit einem starken Finanzdienstleistungssektor und einem großen Pool an Talenten bleibt Victoria wegweisend im Hinblick auf das Fondsmanagement, einem zentralen Bestandteil aller Pensions- und Rentensysteme“, sagt Wade Noonan, Victorian State Minister for Industry and Employment. „Durch unseren Future Industry Fund arbeitet die Regierung Victorias eng mit dem Finanzdienstleistungssektor zusammen, um für eine weitere Expansion, Investments und Beschäftigungswachstum zu sorgen.“

Über Mercer (www.mercer.com)

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